Bildung mit Herz – ein Rundgang durch die Salomo-Schule
Auf der Suche nach Inspiration für diesen Bericht über die Salomo Schule, stolperte ich über ein Foto unseres Schulhauses. Es zeigt ein prächtiges, altes, sandsteinfarbenes Gebäude mit allerlei bunter Dekoration in den Fenstern. Auf dem Schulhof ist ein Fußballfeld eingezeichnet, auf dem Pause für Pause begeistert Spiele ausgetragen werden. Es gibt zwei Tischtennisplatten und die Sitzecke aus selbstgebauten Bänken wurde vor einigen Jahren von den Realschulklassen im Kunstunterricht bunt verziert. Ich sehe Blumenwiesen, Luftballons, Herzen und ein nicht zu übersehendes Gelb-Schwarz – die Farben des BVB. An der Hauswand reihen sich als Teil der Gemüseakademie Hochbeete, in denen Erdbeeren und allerlei Gemüse wachsen. Unsere Schülerinnen und Schüler hatten sie im Frühling gepflanzt und erwarteten gespannt den Zeitpunkt, an dem endlich die Ernte eingeholt werden kann. Der westliche Rand des Schulhofes wird von einem Blumenbeet begrenzt und an dem großen, historisch-verzierten Bogen vor der Eingangstür hängt ein Schild: „Salomo-Schule, staatlich anerkannte Grundschule, staatlich genehmigte Realschule.“
Warum der Name Salomo-Schule? Was macht den König des antiken Israels zum Vorbild einer Schule? Was können wir von ihm lernen? Wer die Geschichte aus der Bibel aufmerksam liest, der weiß, dass Salomo von Anfang an auch schwierige Charakterzüge hatte. Trotzdem liebte er Gott und bat ihn zu Beginn seiner Herrschaftszeit um Weisheit: „Gib mir ein Herz, das auf dich hört, damit ich dein Volk richtig führen und zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann“ (HFA, 1. Könige 3, 9). Mit anderen Worten bittet Salomo um das, was er braucht, um seine Aufgabe als König, in die er von Gott gestellt wurde, gut zu erfüllen und seinen Mitmenschen „recht“ zu tun. Er hat verstanden, dass dafür weit mehr als vielleicht offensichtlichere Dinge wie Reichtum, Stärke oder Intelligenz nötig sind.

Salomo bittet um ein weises und verständiges Herz.
Dieser Wunsch, dieser Kerngedanke steckt nicht nur im Namen unserer Schule, sondern ist auch im Schulalltag und Selbstverständnis jeder Lehrkraft fest verankert. Bildung und Wissen sind die wichtigsten Voraussetzungen, um im Leben voranzukommen und einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Bildung des Herzens ist für Kinder dabei aber ebenso wichtig, wie die Bildung des Verstandes, um fröhlich, optimistisch und verantwortungsvoll ihr Leben gestalten zu lernen. Wir leben in einer Zeit rasanter technologischer Entwicklungen, der Zunahme und des Überflusses an Wissen. Wir drohen geradezu, in diesem Informationsüberfluss zu ertrinken und sind gleichzeitig oder gerade deshalb arm an gelebtem Wissen, erfahrenen Gefühlen und stabilen Werten. Dem wollen wir als Salomo-Schule entgegensteuern und versuchen, diese Leerstelle zu füllen.
Um jedoch nicht nur trockene Bildungskonzepte vorzustellen möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu einem Gang durch unser Schulhaus einladen und Ihnen so diese „Bildung des Herzens“ im Schulalltag praktisch zu zeigen.
Durch die Eingangstüre getreten fällt mit als Erstes ein Stand mit vielen kleinen, teilweise bunt beklebten Kartons auf. „Aktion Kinder helfen Kindern! – teilen macht glücklich“ steht auf einem hellblauen Plakat. Jedes Jahr packen bis Mitte November alle, die mitmachen wollen, Weihnachtspäckchen für von Armut betroffene Kinder in Osteuropa. Mit ihrer Teilnahme an der Paketaktion von ADRA lernen die Schülerinnen und Schüler etwas über das Leben Gleichaltriger in anderen Teilen der Welt und erfahren, wie viel Freude Schenken und Teilen machen kann.
Vor der Treppe biegen wir nach rechts ab, hier liegt das Zimmer der Klasse 1/2. Gerade findet Deutschunterricht statt, es wird fleißig Lesen geübt und zwar im Tandem. Dabei schließen sich die Kinder zu Teams zusammen, lesen einander vor und hören sich gegenseitig zu. Die Zweitklässler unterstützen die jüngeren Erstklässler, deutsche Muttersprachler helfen Kindern, die noch nicht so lange Deutsch sprechen können. „Mit dieser Methode kann jeder mitgenommen werden, jeder fühlt sich gesehen, jede Leistung wir wertgeschätzt“, erklärt die Klassenlehrerin. „Zweitklässler vertiefen ihre Lesefertigkeiten und sind natürliche Vorbilder für die Erstklässler. Diese wiederum sind ehrgeizig am Üben um später mal genau so gut lesen zu können wie ihre großen Freunde.“

Weiter den Gang entlang finden wir das Klassenzimmer 3/4. Schon vor der Türe höre ich angeregte Gespräche aus dem Raum. Als ich eintrete, sehe ich die Kinder in Kleingruppen um die Tische sitzen. An der Tafel hängen zwei Tierbilder. Links eine Giraffe, rechts ein Wolf. „Was ist das denn?“, frage ich die Kinder. Vierzehn Köpfe grinsen mich an, alle tragen eine Krone, auf der ebenfalls entweder ein Wolf oder eine Giraffe zu sehen sind. „Der Wolf spricht Wolfssprache, der sagt ständig gemeine Sachen, aber nur, weil er nicht weiß, wie man das lieb sagt.“, bekomme ich zur Antwort. „Und die Giraffe spricht Giraffensprache, sie hat gelernt, zu sehen, was der Wolf fühlt und was er sich wünscht und dass er eigentlich nur Angst hat. Jetzt kann sie trotzdem freundlich mit dem Wolf reden und es gibt keinen Streit mehr.“ Im Sachunterricht steht gerade eine Einheit zu gewaltfreier Kommunikation auf dem Plan. Ich höre eine Weile zu, wie die Kinder abwechselnd in die Rollen von Wolf und Giraffe schlüpfen und mit äußerster Kreativität verschiedene Konfliktsituationen nachspielen. Dann mache ich mich weiter auf den Weg, die Treppe hinauf in den ersten Stock.
Fast direkt gegenüber des Treppenaustrittes findet sich das Klassenzimmer 5/6. Im Moment ist es leer, denn gerade sind die beiden Klassen auf dem Schulacker, der um diese Jahreszeit erst einmal gemeinsam umgegraben werden muss, bevor in den nächsten Wochen mit dem Einpflanzen begonnen werden kann. Als ich sie eine Stunde später zurückkommen sehe, leuchten mich feuerrote Wangen und blitzende Augen an. „Wie war‘s?“ frage ich. „Super, endlich mal nicht immer sitzen! Ich freue mich schon auf den Sommer, dieses Jahr gibt es Himbeeren. Die schmecken viel besser, wenn man sie selbst gegossen hat.“, erzählt ein Mädchen, bevor es ihren Klassenkameraden hinterher in die Wärme des Klassenzimmers stürmt. Im Sommer werden die 7. und 8. Klasse aus der Ernte in AES zuckerfreie Himbeermarmelade kochen.
Am Fuße der Treppe in den zweiten Stock haben die höheren Realschulklassen aus bunter Strukturtapete einen deckenhohen Baum an die Wand geklebt. Auf jedem Blatt steht ein anderes Wort. Ich lese: Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Geduld… Es ist der Wertebaum, ein fächerübergreifendes Projekt aus dem Religions- und Kunstunterricht. Jeden Tag auf dem Weg in die Klassenzimmer kommen Lehrkräfte und Schüler*innen daran vorbei. „Es war ganz schön anstrengend, das alles an die Wand zu kleben“, erzählen die Achtklässler. Aber der Baum sei eine gute Erinnerung daran, das eigene Verhalten zu reflektieren. Auch ich nehme mir jedes Mal aufs Neue vor, geduldiger zu sein.
Ganz oben im Schulhaus haben die Klassen 9 und 10 Unterricht. Sie schreiben gerade eine Arbeit, da möchte ich sie nicht stören. Gerne denke ich jedoch an den diesjährigen Sporttag zurück, denn da haben unsere Ältesten wirklich Großartiges geleistet. Sie gestalteten Planung und Aufbau des Events nahezu selbstständig und halfen während des Tages auch ihren kleinsten Mitschülern, die verschiedenen Stationen erfolgreich und mit viel Freude zu bewältigen. Ein besonderes Highlight war das Völkerballturnier, bei dem sechs bunt gemischte Mannschaften aus allen Klassen gegeneinander antraten. Teamgeist, Fairness und jede Menge Spaß standen dabei im Mittelpunkt, es war wunderbar zu sehen, wie sich Groß und Klein umeinander kümmerten und einander anfeuerten.
Auch nach Unterrichtsschluss ist für viele der Schultag noch lange nicht zu Ende. Während einige Kinder sich flugs auf den Heimweg machen, bleibt oft noch eine größere Gruppe an den Tischtennisplatten zurück. Ein Match nach dem anderen wird hier ausgetragen, oft bis sich auch die letzte Lehrerin auf den Heimweg gemacht hat. Und ganz ehrlich, dabei sind Mathenoten oder Deutschkenntnisse letztendlich auch nicht so wichtig wie das Miteinander.
